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Wechselbare Akkus: Geld sparen und die Umwelt schützen

Der Akku ist das Verschleißteil Nummer 1 an jedem Mobilgerät, sei es ein Smartphone oder Notebook. Aus diesem Grund waren wechselbare Akkus noch vor wenigen Jahren eine Selbstverständlichkeit. Mittlerweile sind sie selten – zum Nachteil der Verbraucher: Trotz fortschrittlicher Technik altert kein Bauteil so schnell wie der Akku.

Verklebt und festgelötet

Möglichst dünn und leicht sollen Smartphones, Laptops und Tablets sein. Um diesem Ideal nahezukommen, verzichten die Ingenieure der großen Hersteller auf wartungsfreundliche Gehäuse mit Schrauben und Klappen, die auch Laien öffnen könnten. Stattdessen wird alles rundherum verklebt und Akkus werden teilweise verlötet. Reparieren lassen sich derartige Geräte nur mit Spezialwerkzeug von Werkstätten. Ein einfacher Akkutausch kann so schnell an die hundert Euro kosten.

Zwar beteuern die Hersteller, dass moderne Lithium-Ionen-Akkus kein limitierender Faktor für die Lebensdauer eines Geräts wären, denn sie würden eine Vielzahl an Ladezyklen nahezu ohne Kapazitätsverluste überstehen. Der aktuelle Aufruhr um Apple iPhones belegt aber das Gegenteil: Ältere Akkus des Nobelherstellers halten nicht mehr genug Energiereserven für leistungshungrige Anwendungen bereit. Daher baut Apple in das Betriebssystem seiner Smartphones eine Leistungsbremse ein, die den Prozessor des Telefons drosselt. Im Ergebnis bedeutet die Bremse für Kunden ein viel langsamer reagierendes Smartphone. Abhilfe schafft nur ein Akkutausch – für den Apple ursprünglich 89,- Euro netto verlangte. Die allgemeine Empörung veranlasste das Unternehmen nun, den Preis auf 29,- Euro zu senken.[1]

Verschleiß ist unvermeidbar

Das Entgegenkommen Apples ist ein Einzelfall und kann das grundsätzliche Problem nicht lösen: Akkus altern schneller als der Rest eines mobilen Geräts. Das gilt, selbst wenn es unbenutzt in der Schublade liegt, besonders aber, wenn es viele Lade-Entladezyklen durchlebt hat. Dieser Verschleiß mag für jemanden unwichtig sein, der sich spätestens alle zwei Jahre ein neues Notebook und Smartphone kauft, weil er immer auf dem allerneuesten Stand sein will. Für alle anderen sind die fest verbauten Akkus aber ein erheblicher Nachteil.

Wer überwiegend im Internet surft, telefoniert und Nachrichten schreibt, braucht über Jahre hinweg keine neuen Geräte, denn die Rechenleistung ist mehr als ausreichend. Problematisch ist für solche Anwender einzig die nachlassende Akkuleistung: Ein Laptop, das nur an der Steckdose betrieben werden kann, hat keinen Mobilitätsvorteil gegenüber einem Desktop PC, und ein Telefon, das keinen ganzen Tag ohne Aufladung hält, ist im Alltag unpraktisch. Günstig für Verbraucher und umweltfreundlich wäre ein einfacher Akkutausch, wie ihn auch eine EU-Richtlinie fordert:[2] Man könnte günstig einen Ersatz kaufen und selbst wechseln, wie es jahrelang üblich war. Das Problem: Nur die allerwenigsten Geräte ermöglichen den problemlosen Austausch.

Alternativen: Business-Geräte

Komplett trockengelegt ist der Markt für umweltfreundliche Geräte, die sich gleichzeitig günstiger reparieren und länger nutzen lassen, aber noch nicht. Im Bereich der Smartphones sticht das Projekt Fairphone hervor.[3] Dabei handelt es sich um ein modular aufgebautes Smartphone, für das zahlreiche Ersatzteile verfügbar sind, darunter selbstverständlich der Akku. Aufgrund der Bauweise können auch Technikneulinge viele Reparaturen ganz einfach selbst durchführen. Sehr viel günstiger ist das Lenovo Moto G5.[4] Das Telefon ist nicht modular aufgebaut, aber immerhin kann man als Anwender den Akku selbst austauschen.

Auch bei wartungsfreundlichen Notebooks ist Lenovo mit seinen Thinkpads für den Businessbereich vertreten. Neben Akkus ist besonders für ältere Geräte so gut wie jede Komponente als Ersatzteil zu beziehen, von der kleinsten Schraube bis zum Mainboard. Wegen der großen Verbreitung der Thinkpads im Businessbereich bieten auch Dritthersteller sehr viele Teile günstig an. Aufpassen muss man beim Kleingedruckten: Einige der neueren Modellreihen gehen leider mit dem Trend und sind komplett verklebt statt verschraubt, einige andere setzen auf die bewährte Bauweise mit vielen leicht zu wechselnden Ersatzteilen.

Allgemein sind die Businessgeräte von Dell, HP und anderen Markenherstellern zu nennen. Während im Markt für Verbraucher modische Aspekte den Vorrang haben, geht es bei Businessgeräten vor allem um Robustheit und ausfallfreien Betrieb. Sollte doch mal ein Teil defekt sein – z. B. der Akku schwach werden – müssen diese Arbeitstiere sehr schnell und mit wenig Aufwand wieder betriebsbereit sein. Von so einer Modellpolitik können auch ganz normale Heimanwender profitieren. Bei der nächsten Neuanschaffung lohnt sich der Blick ins Datenblatt: Ein austauschbarer Akku ist ein echtes Plus.

Nachweise

[1] https://www.inside-handy.de/news/47525-iphone-drosselung-akku-tausch

[2] https://www.borncity.com/blog/2012/02/12/mobilgerteakkus-und-die-umwelt-teil-2/

[3] https://www.fairphone.com/de/

[4] https://www.golem.de/news/moto-g5-und-moto-g5-plus-im-test-lenovo-kehrt-zur-bewaehrten-motorola-tradition-zurueck-1704-127231-3.html