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Dem PC Dampf machen: SSD statt HDD

Mit dem Austausch einer klassischen Festplatte durch eine schnelle SSD werden auch ältere Computer erheblich beschleunigt. Das ist messbar und auf dem Papier beeindruckend, aber vor allem spürbar in der alltäglichen Arbeit. Nicht nur im Falle einer PC-Reparatur ist ein Technologiewechsel daher zu empfehlen.

Daten lesen und schreiben

Den Computer hochfahren, ein Programm starten, Dateien öffnen, bearbeiten und speichern – das sind stets wiederkehrende Aufgaben, die ein Desktop-PC oder Notebook zu bewältigen hat. Bei all diesen Arbeiten werden große Datenmengen von der Festplatte gelesen und auf sie geschrieben. Daher ist die Geschwindigkeit von Festplattenlaufwerken in vielen Fällen maßgeblich für das gesamte System.


Denn auch der schnellste Prozessor wird ausgebremst, wenn die Festplatte Daten nur langsam aufnimmt oder hergibt. Der Standardratschlag zur Aufrüstung eines Rechners lautete deswegen lange, größeren Arbeitsspeicher (RAM) zu verbauen. Dadurch können mehr Daten im schnellen RAM vorgehalten werden und es wird seltener auf die langsamere HDD zugegriffen. Dabei profitieren längst nicht alle Anwendungen von mehr Arbeitsspeicher. Der Austausch einer konventionellen Festplatte durch ein Solid State Drive bringt hingegen bei allen Aufgaben einen merklichen Geschwindigkeitsschub. Das liegt an der grundsätzlichen Andersartigkeit von SSDs.

HDD vs. SSD

Ihrer englischen Bezeichnung nach bestehen Festplatten aus harten Scheiben: Hard Disk Drive ist die Bedeutung der Abkürzung HDD. Diese rotierenden Scheiben befinden sich zusammen mit einem Motor sowie beweglichen Lese-Schreibköpfen im Inneren des Festplattengehäuses. Es sind also viele Teile verbaut, die im Betrieb bewegt werden. Das sorgt nicht nur für einen gewissen Geräuschpegel und erzeugt Hitze, es dauert vor allem lange, bis ein Lese-Schreibkopf an der richtigen Position auf der Platte ist. Je fragmentierter die Dateien auf der Platte sind, desto häufiger muss der Kopf bewegt werden und desto länger muss man warten.

Bei einem Solid State Drive, auch als Solid State Disk bezeichnet, entfallen alle diese Bewegungen, denn es gibt keine beweglichen Teile. Wo keine Mechanik ist, da entstehen keine Geräusche und kaum Hitze. Es vergeht aber vor allem keine Wartezeit, bis ein Lese-Schreibkopf seine Positionen gefunden hat. Stattdessen werden die Speicherzellen einer Solid State Disk elektronisch angesprochen. Darüber hinaus ist die Gefahr für einen Datenverlust durch eine Erschütterung ausgeschlossen: Wenn ein Notebook einen Stoß erleidet, während auf der klassischen Festplatte gelesen oder geschrieben wird, kann es zu einer Berührung von Kopf und Speicherplatte kommen. Im schlimmsten Fall sind Daten dann unwiederbringlich verloren. Bei einem Speicher ohne bewegliche Teile ist dies unmöglich.

Geschwindigkeit, die begeistert

Mit SSDs starten Programme wortwörtlich sofort, Befehle werden ohne Verzögerung ausgeführt, der Systemstart dauert nur noch wenige Sekunden.

In den Transferraten erreichen SSDs mindestens die zwei- bis dreifache Geschwindigkeit von HDDs.[1] Das sind ca. 550 MB/s (Megabyte pro Sekunde) gegenüber weniger als 200 MB/s. Je nach Anschluss (SATA, PCIe, m.2) sind noch weitaus höhere Werte möglich: In einem aktuellen Test erreicht ein Modell von Samsung eine Lesegeschwindigkeit von 1176 MB/s, es sind sogar bis zu 3200 MB/s möglich.[2] Solche Werte setzen allerdings aktuelle Mainboards voraus.

Heimanwender profitieren aber auch auf älteren Systemen von SSDs, besonders beim Booten und Programmstart. Windows fährt ohne jede weitere Optimierung problemlos in deutlich weniger als 30 Sekunden hoch, wenn es von einer Solid State Disk gestartet wird. Dabei ist es weitestgehend unerheblich, wann das System aufgesetzt wurde und wie fragmentiert die Dateien vorliegen. Das liegt an der schnellen Zugriffszeit und den IOPS – das sind die Input Output Instructions per Second. Solid State Disks arbeiten bis zu 100.000 solcher Ein- und Ausgabebefehle pro Sekunde ab, Magnetfestplatten nur ca. 100. Dabei beträgt die Zugriffszeit von SSDs weniger als eine Millisekunde gegenüber ca. 15 Millisekunden bei HDDs. Genau das macht die Arbeit auf einem PC mit Solid State Disks so rasant.

Der Umstieg lohnt sich auch dann, wenn die alte Festplatte noch tadellos funktioniert: Sie kann intern oder extern weiter als Archivspeicher dienen und muss nicht entsorgt werden. Falls eine PC-Reparatur ansteht oder ein Neukauf, ist ein Solid State Drive als Systemplatte mittlerweile der Standard.

Quellen

[1]
https://www.heise.de/ct/artikel/SSD-statt-Festplatte-Vorteile-richtige-Auswahl-und-Einrichtung-3240988.html

[2]
http://www.hardwareschotte.de/magazin/alles-was-man-ueber-m-2-wissen-muss-a41637
https://www.golem.de/news/test-m-2-und-samsung-xp941-lauf-ssd-lauf-1405-106279.html