Herrmann - Computer und Internet Service
Computer und Internet Service

Hardware: Rechenleistung ist nicht alles

Mehr Prozessorkerne, höherer Takt und immer größere Rechenleistung – damit sollen Verbraucher zum Kauf neuer Hardware angeregt werden. Für ein gutes Erlebnis am PC sind aber oftmals ganz andere Aspekte als die größtmögliche Rechenpower entscheidend. Worauf kommt es an beim Hardwarekauf?

Reparieren und richtiges Einkaufen spart Geld

Unbestritten: Ein ambitionierter Spieler kommt um den regelmäßigen Komponententausch genauso wenig herum wie jemand, der täglich große Videoprojekte bearbeitet. Der Trend geht hin zur 4k-Auflösung bei hohen Frameraten, was selbst ehemalige High-End-Grafikkarten nicht mehr schaffen; auch anspruchsvolle Videobearbeitung zieht sich quälend in die Länge, wenn ein älterer PC zum Einsatz kommt.

Aber die meisten Anwender haben solch hohe Anforderungen gar nicht. Sie surfen im Internet, verfassen Dokumente mit Office, schauen Videos, hören Musik, chatten und bearbeiten hin und wieder Fotos. Das sind alles Aufgaben, die keiner großen Rechenleistung bedürfen. Mit günstiger gebrauchter Hardware oder aktuellen Komponenten, die nicht zum High End gehören, lassen sich bestehende Systeme günstig reparieren oder neue aufbauen. Das gesparte Geld kann man in hochwertige Teile investieren, bei denen man den Unterschied wirklich merkt und die in den üblichen Kaufberatungen zu kurz kommen.

Die Peripherie macht den Unterschied

Da, wo der Mensch mit dem Computer wortwörtlich in Berührung kommt, entscheidet sich, wie angenehm und produktiv die Benutzung verläuft: Tastatur und Maus (bzw. Touchpad) sind die Standardeingabegeräte und werden es noch lange bleiben. Je besser sie zu den individuellen Bedürfnissen des Nutzers passen, desto leichter fällt die Arbeit und desto mehr Spaß macht sie. Bei günstigen Komplett-PCs und Notebooks wird hier oft gespart. Das ist bedauerlich, denn wer einmal auf einer sehr guten Tastatur getippt oder eine Maus benutzt hat, die perfekt in die eigene Hand passt und das Gelenk entlastet, wird diesen Komfort nicht mehr missen wollen.

Bei beiden Gerätearten stehen eine Vielzahl an ergonomischen Varianten sowie unterschiedlich große Exemplare mit verschiedenen technischen Aufbauten zur Auswahl. Es gilt: Probieren geht über Studieren. Ein klar definierter Druckpunkt ist zwar immer besser als ein schwammiges Tippgefühl und eine präzise arbeitende Maus ist immer besser als eine prellende oder springende. Aber ob jemandem nun eine teure mechanische Tastatur mit langem Tastenweg, ein Inseldesign mit flachen Tasten oder etwas ganz anderes liegt, ist Erfahrungsfrage (bei Mäusen ähnlich).

Statt nun Hunderte Euro allein in den Prozessor oder die Grafik zu investieren, kann man auch einen aktuellen Pentium für 65 Euro kaufen und für den gleichen Betrag eine hervorragende Tastatur. Der oben erwähnte Heimanwender hat von so einer Investition den größeren Nutzen und bemerkt keine Leistungseinbußen. Surfen mit einem Cor-i7 oder Ryzen 7 für 300 Euro ist nicht merklich besser als mit einem kleinen Pentium.

Das gilt vergleichbar für Monitore: Die bloßen Zahlen suggerieren, dass die Qualität automatisch mit der Auflösung wachse. Das stimmt aber nur ganz bedingt. Full-HD (1920x1080 Pixel) ist immer noch mehr als ausreichend für den täglichen Betrieb auf einem Monitor mit 24 Zoll oder weniger. Wichtiger als Pixelzahlen und Reaktionszeiten sind die richtige Bildschirmgröße bei gegebenem Sitzabstand, die Blickwinkelstabilität und die Bildwiederholfrequenz. Flimmerfreiheit schützt vor Kopfschmerzen viel besser als eine möglichst hohe Auflösung. Wie bei Tastaturen und Mäusen ist es am besten, sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Es muss nicht das teuerste IPS-Display sein, auch ein günstiges VA- oder TN-Panel kann alle Anforderungen erfüllen.

Kein Radau am Rechner

Wenn es um das Innenleben des Computers geht, macht sich der Kauf einer SSD bezahlt wie keine andere Anschaffung. SSDs sind äußerst schnell, komplett lautlos, kühl und mittlerweile bezahlbar. Als Systemfestplatte sollte niemand mehr eine HDD kaufen.

Alles andere muss man abwägen. Viele CPUs, auch die günstigen Versionen, haben eine Grafikeinheit bereits integriert. Mit einem passenden Mainboard kann man bei geringen und mittleren Ansprüchen auf die Anschaffung einer dedizierten Grafikkarte also verzichten. Wichtig ist auch hier: Der normale Office- und Internetbetrieb leidet darunter in keiner Weise.

Mit der integrierten Grafiklösung statt einer extra eingebauten Karte entfällt eine erhebliche Geräuschquelle und der Strombedarf des gesamten Systems wird geringer. Daher reicht in solchen Fällen ein vergleichsweise günstiges Netzteil mit geringerer Leistung. Das spart Geld, das man am besten in ein qualitativ hochwertiges Markengerät mit hoher Effizienz und großem Lüfter investiert. Ganz allgemein halten großzügig dimensionierte Kühler und Lüfter für CPU und Gehäuse die Temperaturen ausreichend niedrig bei geringen Lautstärken. Aufwendige Schalldämmungen werden so überflüssig.

Fazit

Es kommt bei der Anschaffung von Hardware nicht darauf an, welche Punktzahl diese oder jene Komponente in synthetischen Benchmarks erreicht. Diese Zahlen sagen nichts darüber aus, wie ein normaler Anwender die Arbeit am Computer erlebt. Dafür sind die Peripheriegeräte und eine SSD, gegebenenfalls die RAM-Größe und ein möglichst leiser Aufbau viel wichtiger. Es spricht selbstverständlich nichts Grundsätzliches gegen mehr Leistung – aber wer sinnvoll investiert, spart bares Geld ohne eine Einbuße an gefühlter Performance.

Lohnend ist vor der Anschaffung immer auch ein Blick auf Gebrauchtgeräte für Geschäftskunden. Ein Notebook aus der Thinkpad T-Serie oder Desktop-Rechner von Fujitsu werden jahrelang mit Ersatzteilen versorgt, sind sehr robust gebaut und kommen als Leasingrückläufer in sehr gutem Zustand und günstig in den Gebrauchthandel. Viele der Modelle sind keine Leistungsmonster, aber zuverlässige Arbeitstiere.