Herrmann - Computer und Internet Service
Computer und Internet Service

Was "Windows as a Service" für Heimanwender bedeutet

Einige der Änderungen, die mit Windows 10 Einzug gehalten haben, stehen seit seiner Veröffentlichung 2015 in der Dauerkritik. Dazu gehört das Konzept, das Microsoft unter dem Slogan "Windows as a Service" (WaaS) vermarktet. Was soll das sein, Windows als Dienstleistung? Presse und Blogger überschlagen sich, besonders dann, wenn eine größere Aktualisierung wie zuletzt das Creators Update ausgerollt wird. In der Folge sind Verbraucher verunsichert, ob sie überhaupt noch einen PC mit Windows 10 kaufen oder stattdessen lieber ältere Lizenzen bunkern sollten. Dabei erweisen sich bei sachlicher Betrachtung die allermeisten Bedenken für Privatanwender als unbegründet.

Windows 10 – das letzte Windows aller Zeiten?

Auch wenn es die Bezeichnungen nicht unbedingt erahnen lassen, war die Windowswelt früher übersichtlicher: Auf eine Generation folgte Jahre später die nächste, jeweils unter einem neuen Namen. Nach Windows 2000 kamen XP, Vista, Windows 7, dann Windows 8 und 8.1. Nutzer konnten sich sicher sein, wann der Support für ihr Betriebssystem enden würde (mindestens 10 Jahre nach der Veröffentlichung). Mit "Windows as a Service" ist diese Sicherheit scheinbar nicht mehr gegeben. Denn vom alten Modell, unabhängige Betriebssysteme aufeinanderfolgen zu lassen, hat sich Microsoft gelöst.

Stattdessen soll Windows 10 das letzte Windows aller Zeiten sein. Weil die technische Entwicklung aber nicht stillsteht, verspricht Microsoft pro Jahr zwei große Feature-Updates, die wesentliche Erweiterungen im Funktionsumfang mit sich bringen. Genau dies ist der Kerngedanke vom neuen Windows als Service: kontinuierliche Lieferung von Verbesserungen statt jahrelanger Stagnation und punktueller Sprünge. Das klingt erst einmal gut, warum sorgt dieses Konzept für Aufruhr?

Große Updates sind obligatorisch

Der Teufel steckt im Detail: Zwar ist die Bezeichnung "Windows 10" seit 2015 gleich geblieben, aber unter diesem Namen laufen verschiedene Versionen, je nach Stand der letzten großen Aktualisierung. Systeme, auf denen bereits das Creators Update installiert ist (auch als Redstone 2 bekannt), haben die Versionsnummer 1703; das 2016 in Umlauf gebrachte Anniversary Update (Redstone 1) hob die Versionsnummer auf 1607, davor gab es Threshold 2 mit der Nummer 1511. Man sieht: Windows 10 ist nicht gleich Windows 10 – das macht die Sache unübersichtlich.

Unter der Haube tut sich von Versionsnummer zu Versionsnummer mal mehr, mal weniger. Optisch sichtbar sind bisher meist nur geringfügige Anpassungen. Wovor aber immer wieder von kritischen Stimmen gewarnt wird, sind zwei Aspekte: Auf einem älteren PC oder Notebook kann es mit einer neuen Versionsnummer zu Inkompatibilitäten kommen. Je älter der Rechner, desto eher ist er ungeeignet für ein Update und desto eher funktionieren Programme nicht mehr. Außerdem sind die Feature-Updates verpflichtend. Im Kleingedruckten schreibt Microsoft dazu: "Damit ein Gerät weiter unterstützt wird, muss das neueste Update installiert werden."[1] Anwender können sich also nicht einfach dazu entscheiden, ein Feature-Update auszulassen – wenn sie nicht auf den Support von Microsoft verzichten wollen.

Support bedeutet hier vor allem, dass Sicherheitspatches – also die permanent nötigen Anpassungen an neu entdeckte Bedrohungen – nur solche Systeme erhalten, die auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Konkret ergibt sich für die allererste Ausgabe von Windows 10 (Version 1507): Der Support endet im Mai 2017. Wer dann nicht mindestens Version 1511 einspielt, erhält keine sicherheitskritischen Patches mehr. Ohne solche Patches sollte man aber keinesfalls das Internet benutzen. Die Geräte müssen also aktualisiert werden, daran führt kein Weg vorbei.

Kein Grund zur Panik

Bleibt die Frage, wie schlimm die neue Produktpolitik für Verbraucher wirklich ist. Einerseits profitieren sie von stetigen Verbesserungen, andererseits laufen sie scheinbar in Gefahr, dass ihre Computer viel früher als bisher keinen Support mehr erhalten. Aber diese Befürchtungen entpuppen sich als unbegründet:

Wenn ein betagterer Computer eigentlich noch gut funktioniert, aber mit einer neuen Version von Windows 10 tatsächlich nicht mehr kompatibel sein sollte und somit aus dem Support fallen würde, dann kann man das Gerät immer noch mit einem älteren Windows (z. B. 7) betreiben. An den ursprünglichen Fristen zur Unterstützung der Systeme hat sich nichts geändert. Daher ist es im Einzelfall auch lohnend, einen älteren Rechner noch einmal zu reparieren.

Für jeden moderneren Computer gilt, dass die großen Updates noch auf Jahre hinaus kompatibel sind. Man wird mit einem heute gekauften Rechner vielleicht nicht alle zukünftigen Funktionen nutzen können, aber weiterhin alle sicherheitsrelevanten Patches erhalten. Daher spricht für Privatanwender aus sicherheitstechnischer und ökonomischer Sicht nichts gegen Windows as a Service. Weder wird dadurch ältere Hardware zu Schrott noch ist neuere Hardware schon nach kürzester Zeit unbrauchbar.


Quellen:

[1] https://support.microsoft.com/de-de/help/13853/windows-lifecycle-fact-sheet